Alanya - hier ging alles los ! Zu einer Zeit, da noch
kaum jemand genau wusste, wo Antalya liegt, zu einer Zeit, da Bodrum,
Marmaris oder gar Kemer gänzlich unbekannte Ortschaften waren, es in
Side noch keine einzige touristische Anlage gab, konnte man seinen Urlaub
in Alanya bereits pauschal buchen. Es begann 1948 mit der Entdeckung
der Damlataş-Höhle. Man sagte der Höhlenluft heilende Eigenschaften
bei diversen Erkrankungen der Atemwege nach, eine Vermutung, die kurz
darauf wissenschaftlich bestätigt werden konnte. Schon bald trafen auch
die ersten türkischen Touristen in Alanya ein, die sich Linderungen
ihrer Leiden erhofften. Gute zehn Jahre später entdeckten auch deutsche
Veranstalter das Städtchen für sich. Es war das perfekte Urlaubsgebiet:
ein langer Sandstrand, Sonnengarantie, gute Einkaufsmöglichkeiten und
trotzdem vergleichsweise schnell von Deutschland aus zu erreichen. Es
war der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Von Jahr zu Jahr stiegen die
Besucherzahlen, schnell hatte die Schönheit des Landes und die Gastfreundschaft
seiner Einwohner die Runde gemacht. Wo jedoch Geld ist, ist bedauerlicherweise
oftmals die Gier auch nicht weit. Heute erinnert nicht mehr viel an
dieses einst so malerische Dorf. Die Metamorphose ist abgeschlossen,
ein Schmetterling kam jedoch nicht heraus. Die Region wurde regelrecht
zubetoniert, von der einstigen Idylle ist nicht mehr viel übrig geblieben.
Bestenfalls Kemer hat dieses Beispiel an "unsanften Tourismus"
noch übertroffen. Die letzten Jahre hat das "guten Tag" das
"iyi günler" verdrängt, neuerdings gewinnt das "Добрый
ден" mehr und mehr die Oberhand.
Hethitische Inschriften weisen darauf hin, dass an der Stelle des
heutigen Alanyas bereits um 2000 v.Chr. eine Siedlung namens Karkisa
existierte. Urkundlich erwähnt wird Alanya jedoch erst relativ spät
im 2. Jh.v.Chr. als Korakesion. Zu dieser Zeit verschanzten sich Piraten,
die in der Region ihr Unwesen trieben, in Alanya und errichteten hier
ihre Burg. Ihr Anführer war Diodotos, der den Beinahmen "Tryphon"
("der Wollüstige") trug. Im Jahre 67 v.Chr. setzte Pompeius,
der mit rund 10.000 Mann angerückt war, dem wilden Treiben ein Ende.
41 v.Chr. schenkte Marcus Antonius das östlich gelegene Kilikien samt
Alanya seiner Geliebten Kleopatra, die zum Bau ihrer Galeeren Holz aus
dem nahegelegenen Taurus nach Alexandria verschiffen ließ. Unter römischer
Herrschaft hatte Alanya keine nennenswerte Bedeutung, obgleich die Stadt
ab dem 2. Jh.n.Chr. eigene Münzen prägte.
In byzantinischer Zeit wurde die Burg weiter ausgebaut. Mitte des 11.
Jahrhunderts besetzten armenische Fürsten die Region um das Städtchen,
das zwischenzeitlich Kalonoros ("schöner Berg") genannt wurde.
Als im Jahre 1220 die Seldschuken unter Alaeddin Keykubat die Burg belagerten,
waren sie den Burgherren zahlenmäßig weit unterlegen. Der Legende nach
gelang die Einnahme durch eine List: der Sultan gab vor über 100.000
Krieger bereitzuhalten und setzte den Burgherren eine Frist. In der
Nacht vor Ablauf des Ultimatums band er Fackeln an die Hörner von Ziegen
und versammelte sie vor den Toren der Stadt. Von der Burg aus sah diese
Inszenierung wohl wie ein gewaltiges Heer an Kriegern aus. Im Angesicht
dieser immensen Übermacht, übergaben die Machthaber Burg und Stadt widerstandslos
an Keykubat.
So ist es in zahlreichen Büchern nachzulesen, auf diversen Führungen
zu hören, und auch die Wikipedia hat das Märlein widerspruchslos übernommen.
Tatsächlich fand hier jedoch im Jahre 1221 ein Tauschhandel zwischen
dem Sultan und dem armenischen Fürsten Kyr Vart statt. Letzterer übergab
Keykubat nebst Burg und Stadt auch seine Tochter, bekam dafür weite
Gebiete um die zentralanatolische Stadt Aksaray. Von nun an nannte man
die Stadt Alaiye. Die meisten prächtigen Bauwerke Alanyas stammen aus
dieser Zeit. Die Freude währte jedoch nur kurze Zeit, denn schon knapp
70 Jahre später, im Jahre 1293, übernahmen die Karamanen (Karamanoğulları)
die Stadt. Schließlich wurde Alanya 1471 unter Sultan Fatih Mehmet,
genannt "der Eroberer", in das osmanische Reich eingegliedert.
Heute blüht der Tourismus in und um Alanya. War es in der Vergangenheit
das Ländliche und das türkisch Authentische, was den Reiz Alanyas ausmachte,
so ist es heute das Urbane und das Moderne. Ein reichhaltiges Angebot
an Freizeitaktivitäten bieten sich dem Besucher tagsüber. Und auch abends
und nachts wird kaum Langeweile aufkommen. Zahlreiche Discos, Nachtclubs,
Bars und andere Veranstaltungen lassen kaum Wünsche offen. Für jeden
Geschmack und für jede Altersgruppe ist etwas dabei. Wer das alte Alanya
nicht kannte, wird vom neuen Alanya begeistert sein !