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Türkische Literatur

 

Yaşar Kemal

* 1923, Hemite Köyü (Südanatolien)

 

"Yasar Kemal ist tausend Kilometer groß, und selbst wenn er von zwei Steinen erzählt, wird die Geschichte zärtlich und magisch. Ein Meister"
(John Berger)

Yaşar KemalYaşar Kemal, der mit richtigem Namen Kemal Sadık Göğceli heisst, wurde im Jahre 1923 in Hemite Köyü, dem heutigen Gökçeadam (Adana) geboren. Der kurdische Schriftsteller gehört heute zu den bedeutendsten Schriftstellern der Türkei.

Seine Kindheit und Jugend verbrachte Yaşar Kemal in grosser Armut. Zwar war er der einzige in seinem Dorf, der das Lesen und Schreiben erlernte, für eine weiterführende Ausbildung reichte jedoch das Geld nicht. Der Junge, der im Alter von fünf Jahren die Ermordung seines Vaters mit ansehen musste, war schon sehr früh auf sich allein gestellt. Der noch gänzlich unbekannte Dichter hielt sich mit Gelegenheitsarbeiten, wie Wasserträger, Schuhmacher, Traktorfahrer über Wasser, bis er endlich ausreichend Geld für eine Schreibmaschine zusammengespart hatte. Von nun an half er Freunden beim Verfassen diverser Schriftstücke.

Schon seine ersten Erzählungen, die Yaşar Kemal 1951 in der türkischen Tageszeitung "Cumhuriyet" veröffentlichte, erregten grosses Aufsehen. Als Journalist durchquerte er über ein Jahrzehnt die Türkei, besuchte die unterschiedlichsten Regionen und berichtete über sein Land und deren Leute. Wie nie jemand zuvor, wies der Autor in seinen Berichten auf Missstände in seinem Land hin und schaffte sich dadurch nicht nur Freunde. Vor allem einigen skrupellosen Grossgrundbesitzern war Yaşar Kemal ein Dorn im Auge.

Seinen endgültigen internationalen Durchbruch erlangte Yaşar Kemal 1955 mit seinem Roman "Mehmet", der in über 30 Sprachen übersetzt wurde. Neben zahlreichen internationalen Preisen, wurde Kemals Werk im Jahre 1997 auch mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

Der Autor, der wegen seinem unnachgiebigen Kampf um soziale Gerechtigkeit in seinem Land mehrfach inhaftiert wurde, erlangte auch in Deutschland einen beachtlichen Bekanntheitsgrad mit einem im "Spiegel" veröffentlichten vernichtendem Bericht, in dem er unter Anderem äusserte: "Vom Tag ihrer Gründung 1923 bis heute hat sich die türkische Republik zu einem System unerträglicher Zwänge und Grausamkeiten entwickelt".

"In Yaşar Kemals Büchern ist die Darstellung des Rassenwahns als Ausdruck offizieller Regierungspolitik kenntlich. Deshalb ist der Autor den Herrschenden lästig. Deshalb zerren sie ihn immer wieder vor Gericht. Deshalb musste er Gefängnis und Folter erleiden. Deshalb - und um rechtsradikalen Anschlägen zu entgehen - suchte er im Ausland einige Jahre lang Zuflucht. Doch er kehrte nach Istanbul zurück und wird dort, wo er in seiner Sprache und deren Legenden gebettet ist, weiterhin der herrschenden Regierung lästig bleiben."

(Günter Grass, anlässlich der Verleihung des Friedenspreis des Deutschen Buchhandels)

 

Wichtige Werke:

İnce Mehmed 1955 (Mehmed mein Falke)
Dikenler yanıyor 1969 (Die Disteln brennen)
40 gözlülerin Devleti 1984 (Das Reich der Vierzig Augen)
Şahinin son uçusu (Der letzte Flug des Falken )
Orta Direk 1960 ( Der Wind aus der Ebene)
Yer Demir Gök Bakır 1963 (Eisenerde, Kupferhimmel)
Ölmez Otu 1968 (Das Unsterblichkeitskraut)
Ağrıdağı Efsanesi 1970 (Die Ararat Legende)
Binboğalar Efsanesi 1971 (Das Lied der tausend Stiere)
Yılanı Öldürseler 1976 (Töte die Schlange)
Kuşlar da Gitti 1978 (Auch die Vögel sind fort)
Deniz Küstü 1978 (Zorn des Meeres)