Einführung und geschichtlicher Überblick
Sehenswürdigkeiten
in Sivas
Unterkunft und Verpflegung in Sivas
Fotoarchiv Sivas
Landkarte von Sivas
Sivas - Einführung und geschichtlicher Überblick
Sivas, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz (28 488
km²), liegt etwa 190 km nordöstlich von Kayseri und 250 km westlich
von Erzincan in der Hochebene des Kızılırmak Flusses, 1285 m über dem
Meeresspiegel. An der Schwelle zum ostanatolischen Bergland herrscht
in dieser Region im Winter klirrende Kälte, die Temperaturen sinken
bis auf -40° C. Die zur kalten Jahreszeit stets von einer dunklen Smogwolke
überhangene, aufstrebende Industriestadt zeigt auf dem ersten Blick
nur wenig von ihrer bemerkenswerten Vergangenheit. Heute ist Sivas ein
wichtiges landwirtschaftliches Zentrum im Land, aber auch das Kleinhandwerk
hat hier einen festen Sitz gefunden. Sehr begehrt ist der in Sivas von
Hand geknüpfte Gebetsteppich. Kennzeichnend für diesen extrem seltenen
und wertvollen Teppich sind die zahlreichen Pflanzenmotive. Insgesamt
113 Moscheen prägen das Stadtbild des tiefreligiösen Sivas.
Die Geschichte der Stadt reicht bis in hethitische Zeiten zurück, zu
denen Sivas noch unter dem Namen "Sibasip" bekannt war. An
der persischen Königsstraße gelegen, wurde Sivas unter persischer Herrschaft
bald zum wichtigsten Handelszentrum der Region. Unter Pompeius wurde
die Stadt dem römischen Reich angegliedert. Wenig später, unter Kaiser
Augustus, wurde die Stadt in "Sebasteia", dem griechischen
Wort für Augustus (= der Erhabene) umbenannt. Zu dieser Zeit kreuzten
sich hier viele wichtige Karawannenstraßen. Kontinuierlich konnte die
Stadt an Bedeutung und Reichtum gewinnen. 40 römische Soldaten wurden
im Jahre 320 unter Kaiser Licinius als "Märtyrer von Sebaste"
bekannt. Diese Christen der Legio XII. Fulminata wurden ob ihres Glaubens
in die eiskalten Fluten des Kızılırmak Flusses getrieben.
Nach der byzantischen Herrschaft gelangte die Stadt, die nun "Sebast"
genannt wurde, unter die Führung türkischer Seldschuken. Die meisten
heute noch prächtig, erhabenen Bauten Sivas' stammen aus dieser Zeit.
Unter Sultan Beyazıt wurde Sivas Ende des 14. Jahrhunderts dem osmanischen
Reich angegliedert. Die Freude währte jedoch nicht besonders lange:
am 28. Juli des Jahres 1402 konnte der Mongole Timur Lenk (genannt "der
Hinkende") die Armee des Sultans, trotz serbischer Unterstützung,
vernichtend schlagen. Sultan Beyazıt wurde gefangen genommen und in
den Ishak Pascha Palast verbannt, wo er ein Jahr später verstarb. Sivas
wurde geplündert, der überaus grausame Tibur Lenk richtete in Sivas
ein Blutbad an und ließ eine seiner berüchtigten "Schädelpyramiden"
erbauen .
Während des Unabhängigkeitskrieges war Sivas mehrfach Tagungsort des
von Atatürk geleiteten Nationalkriegs. Der wichtigste Kongress fand
am 4. September des Jahres 1919 statt. Atatürk schneidet hier im wahrsten
Sinne des Wortes die Beziehungen zum Regime in Istanbul ab: er lässt
die Telefonverbindungen nach Istanbul kappen und unterbindet den Postverkehr.
Des weiteren kommt man zu der Einigung, dass Anatolien den Türken und
Kurden gehört. Heute erinnert stolz eine Inschrift oberhalb des Eingangs
zu dem Kongressgebäude an diesen denkwürdigen Tag ("Cumhuriyetin
Temelini burada attık"). Seit einigen Jahren beherbergt das Gebäude
ein Museum ("Inkilap Müzesi"), sowie ein Jungengymnasium,
welches in der Region einen ausgezeichneten Ruf genießt.
Trauriges Aufsehen erregte Sivas im Jahre 1993: islamische Fundamentalisten
greifen eine von Aziz Nesin organisierte Tagung liberaler Schriftsteller
an und stecken ihr Hotel in brand. Zahlreiche Menschen finden bei diesem
"Massaker von Sivas" den Tod.