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06. März 2008

Der irakische Präsident Jalal Talabani besucht Ankara

Der irakische Präsident Jalal TalabaniDer irakische Präsident Jalal Talabani wird am Freitag Ankara besuchen, sein erster Besuch der Türkei als Staatsoberhaupt. Eine Woche nach dem Ende der türkischen Militäroffensive im Nordirak gegen Guerillas der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, reist der 75-Jährige zu Gesprächen in die türkische Hauptstadt. Die türkischen Militäreinsätze hatten in letzter Zeit für Spannungen zwischen Ankara und Bagdad geführt. Jalal Talabani wird vorraussichtlich drei Tage in der türkischen Hauptstadt verweilen. Ankara beschuldigt den Irak schon seit längeren, sich nur halbherzig um das "Kurdenproblem" im Nordirak zu kümmern. Ankara fürchtet, dass rebellierende Kurden im Nordirak heimlich an einem eigenen autonomen Staat arbeiten, was die Region noch weiter destabilisieren könnte. In der Zwischenzeit untersuchen irakische Behörden die Regionen, die am vergangenen Montag von der türkischen Armee unter Beschuss genommen wurden. Sie appellieren auf mehr Rücksicht auf die Zivilbevölkerung. Eine Inspektionsgruppe begutachtete vier Brücken, die in der vergangenen Woche in der grenznahen Region Amadiya zerstört wurden. Unterdessen werden seitens irakischer Politiker Forderungen nach Entschädigung laut.

US-amerikanische Experten sprechen von rein politischen Zielen des türkischen Militärs. "Das war eine politische und keine militärische Aktion" kommentiert Dr. Henri Barkey, Inhaber des Lehrstuhls für internationale Beziehungen an der Universität Lehigh. In einer Rede im Woodrow Wilson Center in Washington bezeichnete Dr. Henry Barkey die türkischen Generäle als "gute Schüler des preußischen Generals Carl von Clausewitz". Carl von Clausewitz (1780-1831) vertrat u.a. die Ansicht, dass Feldzüge nur zu einem sehr geringen Grade geplant werden könnten, da nicht vorhersehbare Ereignisse jede zu detaillierte Vorausplanung schon nach wenigen Tagen gegenstandslos machen würden. Ein derartiger Überraschungsangriff fordere jedoch eine intensive Planung, das türkische Militär wolle mit seiner Aktion gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen, so Dr. Henri Barkey.

Viele Experten deuten die Militäraktion als unnötige Warnung an die kurdischen Rebellen im Nordirak. Von türkischer Seite wird verlautet, die Aktion sei zwingend erforderlich gewesen. Gutorganisierte kurdische Einheiten versuchten schon seit geraumer Zeit die Kontrolle über das ölreiche Gebiet Kirkuk im Irak zu bekommen.

Während einerseits die US-amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice den Türken "volle Unterstützung im Kampf gegen die PKK" zusicherte, forderte Präsident George W. Bush eine schnellstmögliche Beendigung des Konflikts. Der Experte Dr. Henry Barkey wünscht sich baldige Friedensverhandlungen zwischen den Parteien. Zu diesen scheint derzeit jedoch keiner der Verantwortlichen bereit.

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